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Meine Hashimoto Thyreoiditis Story

Hashimoto Thyreoiditis – für alle die es nicht wissen – ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Das bedeutet, dass der eigene Körper fälschlicherweise seine Schilddrüse angreift, indem er Antikörper gegen die Schilddrüsengewebsstrukturen feuert. Die Schilddrüse reagiert mit einer Entzündung und begibt sich anfangs in eine Über-, später dann in eine Unterfunktion.

Auswirkungen und Symptome dieser Krankheit können variieren. Dies geht von körperlichen Symptomen wie Haarausfall, Kälteempfindlichkeit und Gewichtszunahme, über Herzstolpern und Herzrasen, zu psychischen Auswirkungen wie depressiven Verstimmungen sowie Angst- und Panikattacken. Fakt ist, dieser ganze Mix an Symptomen macht es oftmals schwer einzelne Dinge dem Hashimoto zuzuordnen. Es sorgt je nach Schweregrad für einen enormen Leidensdruck des Patienten.

Unauffällig und Komplex

Hashimoto beginnt unauffällig, versteckt und wird oftmals erst nach Jahren sichtbar.

Es ist quasi unmöglich für mich zu sagen, welche Symptome ausschließlich vom Hashimoto kamen. Fakt ist, der Mix aus Hashimoto, einem meist kaputten Darm oder einer nicht-intakten Nebenniere und das Hormonzusammenspiel im ganzen restlichen Körper liegen eng beieinander und machen diverse Symptome.

Das Schwierige ist oftmals die Komplexität, denn wenn Symptome plötzlich psychischer Natur sind kommen die wenigsten Ärzte auf die Idee, es sei ein Organ daran schuld. Und wie in meinem Fall, vermutet man den Ursprung selbst ebenso im Kopf, nicht im Körper.

Meine Geschichte

Bei mir fing alles ganz langsam an…

Ich war immer schon ein eher ängstlicher und vorsichtiger Mensch, kenne Panikattacken seit ich 18 bin und habe damals bereits Phasen der Depersonalisation durchstanden, die mich verunsichert hatten im Bezug auf meine psychische Gesundheit.

Als dann 2016 erneut Symptome von Angst, Unruhe, Herzrasen und Herzstolpern, sowie depressiven Verstimmungen und Antriebslosigkeit entstanden, versuchte ich von meinen früheren Fehlern zu lernen, und diese Zustände anzunehmen, und gleichzeitig mein Leben so weiterzuleben, als wäre nichts weiter. Ich bemerkte lange nicht, wie schleichend immer weitere Symptome dazukamen.

Ich nahm an Gewicht zu, konnte mich kaum mehr konzentrieren, was für mein Studium sehr tragisch war, ebenso hatte ich konstante Magen und Darmprobleme. Weiters hatte ich trockene Augen, mein Augenarzt wusste aber nicht warum. Ebenso hatte ich bei jeder Untersuchung unterschiedliche Dioptrien. Mir war oft richtig, richtig kalt. Manchmal aber auch super warm. Ich war vergesslich, unruhig und wusste nicht genau warum. Der Grund fehlte mir ein wenig. Aber ich dachte mir natürlich, das alles käme vom Stress in meinem Leben, da ich nun mal Mitte 20 bin und dies wohl eine aufregende Zeit ist. Außerdem, wie soll man auch nicht gestresst sein, wenn einem ständig nach Schlafen ist, man Darmprobleme hat und sich nichts merken kann?

Mindestens 2 Jahre bis zur Diagnose

So ging das Ganze gute zwei Jahre, in denen ich nach und nach kaum mehr meinen Alltag ganz normal wie davor meistern konnte. Es belastete nicht nur meine Beziehung, sondern auch Freundschaften, da ich oftmals spontan Treffen absagen musste und wollte, weil ich zum Beispiel eine Müdigkeitsattacke bekam und mir alles sehr schnell zu viel wurde. Ich verspürte viel mehr Aggressivität und Verzweiflung in meinem Leben. Manchmal war mir einfach nach Schreien und Weinen zugleich zumute.

Durch Eigenrecherche und Beobachtung bekam ich heraus, dass mein oftmaliges „Schlafkoma“ (Das heißt: aufwachen, frühstücken und sich nach dem Essen wieder mit Herzrasen und im halb komatösen Zustand wieder hinlegen) eventuell mit einer Histaminintoleranz zusammenhängen könnte. Diese bescherte mir auch oft Quaddelausschläge welche mich schwach, unruhig und müde machten. So beschloss ich erstmalig seit langer Zeit zum Arzt zu gehen.

Dort ging dann alles sehr schnell – meine Hausärztin meinte ich hätte eine eindeutige, starke Reaktion und definitiv eine Histaminintoleranz. Ebenso seien meine Schilddrüsewerte, Cholesterinwerte (hängt oft damit zusammen) und der Vitamin D Wert sehr schlecht. Sie vermutete sofort eine Schilddrüsenunterfunktion, eventuell Hashimoto. Zweiteres ließe sich nur per Ultraschall bestätigen und so war es dann auch. Meine Diagnose bekam ich die Woche drauf: Hashimoto Thyreoiditis.

Um ehrlich zu sein, war ich weder sehr schockiert, noch sehr erleichtert. Mir war noch immer nicht bewusst, wie viele meiner Symptome durch diese Diagnose nun in Ordnung kommen könnten. Ich verstand aber auch nicht das Ausmaß so einer Erkrankung: Die Wichtigkeit seinen Lebensstil zu ändern, seine Ernährung anzupassen und vor allem seinen Stress dauerhaft niedrig zu halten.

Eigenrecherche und der richtige Arzt

Ich begann zu recherchieren und fand besonders das Buch „Leben mit Hashimoto Thyreoiditis“ von Dr Brakebusch, sehr hilfreich um zu begreifen was diese Krankheit bedeutet, welche Symptome sie umfasst und welche Auswirkungen auf viele andere Bereiche des Körpers sie haben kann, ebenso vice versa. Danach hatte ich schnell das Gefühl, aktiv mehr machen zu können, um aus meinem elenden Zustand herauszukommen.

Glücklicherweise fand ich erst Wochen später diverse Foren über Hashimoto Thyreoiditis. In denen liest man leider oft von verzweifelten Personen, welche nicht die richtige Behandlung bekommen und jahrelang leiden müssen. Oftmals, und das ärgert mich besonders, werden Hashimoto-Patienten, ohne dass ihnen jegliche Blutwerte abgenommen wurden, auf Anti-Depressiva gesetzt. Man versucht damit, wie so oft, einzelne Symptome zu korrigieren, statt die Ursache zu beheben.

Mein größtes Glück war meine aktuelle Ärztin. Nachdem ich davor bei sogenannten Spezialisten landete, die meinen TSH-Wert anschauten, mich mit L-Thyroxin einstellten und meinten: „Wir sehen uns in 9 Monaten. Jetzt sollte alles gut sein.“, war ich überglücklich eine Ärztin gefunden zu haben, die mich nicht nur bei der Schilddrüse einstellte, sondern sich alles andere Relevante wie Nebennierenrinde (NNR), den Darm und die Hirnanhangsdrüse anschaute. Sie checkte alle Blutwerte durch, sodass ich anfangen konnte mit Nahrungsergänzungsmitteln meine Speicher aufzufüllen mit Magnesium, Vitamin D + K, Zink, Selen, Eisen, etc., und mich langsam aber sicher begann besser zu fühlen.

Die NNR war bei mir Gott sei Dank in Ordnung, allerdings war mein Problem, wie ich schon lange vermutet hatte, der Darm. Meine Entzündungswerte sind sehr hoch und das Ziel ist es, diese zu senken und den Darm so zu sanieren, dass mein Körper keine weiteren Entzündungen zu bekämpfen hat. Dies würde sich sonst auch negativ auf die Schilddrüse auswirken.

Was sich verändert hat

Seit der Diagnose des Darms habe ich mich auf eine 30 Tage Zuckerentzug – Kur begeben. Ich halte nun Diät, habe Gluten, Zucker und Milchprodukte komplett aus meiner Ernährung gestrichen und fühle mich aktuell fast wieder wie davor. Der Darm macht mir noch immer auf Grund meiner Unverträglichkeiten und der Entzündung einiges an Problemen. Das Tolle ist aber, dass meine oben beschriebenen Symptome alle komplett verschwunden sind. Einzig an meinen Darmproblemen arbeite ich noch. Diese kann ich aber leichter tolerieren, wenn es mir sonst viel viel besser geht. Wir alle wissen, dass es schwierig ist Probleme zu verkraften, wenn man eh schon mit den Nerven am Ende ist. Wenn es der Psyche gut geht, kann man viel mehr schaffen als sonst.

Das Ganze wird noch seine Zeit brauchen – ich kann nicht erwarten, dass meine Darmprobleme innerhalb von 2-3 Monaten weg sind, wenn ich mir über Jahre vieles im Körper kaputt gemacht habe. Aber ich bleibe optimistisch, dank meiner Ärztin, die mir viel Hoffnung macht, meiner Familie und Freunde, die mich unterstützen und weil ich stolz auf mich selbst bin, dass ich schon soweit gekommen bin.

Es gibt noch viele weitere Informationen rund um dieses Thema, die ich mit euch in nächster Zeit teilen möchte. Dies ist mein erster, sehr persönlicher Bericht dazu. Ich freue mich sehr, wenn ihr eure Erfahrungen mit ihr teilt. Ich werde dies auf jeden Fall weiterhin mit euch tun!

PS. Wenn ihr das Gefühl habt, euch wird nicht genug geholfen, euer Arzt versteht euch nicht oder meint sogar ihr simuliert, dann bitte, sucht weiter. Verliert keine Zeit, in der es euch besser gehen könnte. Vor Unwissenheit ist niemand geschützt.

 

 

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