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Wie ich meine Diagnosen überwunden habe

Ich hatte Diagnosen die ich mir kurze Zeit davor selbst noch nicht vorstellen konnte und es wurde immer mehr. Generalisierte Angststörung, als Begleiterscheinung schwere Depersonalisation und Derealisation (24/7), Panikattacken, Depression, Zwangsgedanken, Tinnitus, chronische Rückenschmerzen. Ich dachte, so einen schlimmen Fall wie mich gibt es sonst nicht…auf allen Ebenen fühlte ich mich krank und schwach. Alleine die Tatsache all diese Diagnosen Schwarz auf Weiß zu haben, machte es noch schlimmer…ich fühlte mich zu tiefst INSTABIL.

Ein schlechtes Omen?

Keine gute Voraussetzung, um mutig und selbstbestimmt durchs Leben zu gehen. Und doch tue ich genau das – nicht einmal 10 Jahre später. Voller Freude und Motivation. Nicht immer glänzend, nicht immer strahlend, aber immer im Wissen, wie ich zu meiner Mitte zurückkehren kann, und mit dem Willen tagtäglich mein volles Potential zu entfalten und zu leben.

Was der große Unterschied ist zwischen damals und heute? Mein Köpfchen hat viel umlernen dürfen (und tut es immer noch). Meiner Meinung nach ist alles im Leben Einstellungssache. Alles. Es gibt Menschen, die machen aus den schwierigsten Situationen das Beste und verlieren weder sich, noch ihren Mut, ihre Hoffnung und ihr Mitgefühl. Genau die sind es, an denen ich mich orientieren möchte.

Was ist in den letzten 10 Jahre passiert?

Ich habe die letzten 10 Jahre viel an mir gearbeitet (oft sah ich den Erfolg nicht direkt, gerade in den letzten 2 Jahren gingen mir erst viele Lichter auf). Vor allem habe ich auch an meiner Ungeduld gearbeitet – Erfolg kommt nicht eben so. Erfolg fordert Ausdauer, Nachdruck und Misserfolg. Im Bezug auf die DPDR habe ich mir durch andere Menschen (Therapeut/in, Eltern, eBooks, Bücher,…) Mut geholt und mir irgendwann gesagt es gibt keine Option B – ich kann das schaffen, eher noch…ich muss das schaffen – für mich, für die Person, die ich bestimmt bin zu werden.

Denn für mich war das Leben damals nicht lebenswert. Meist zuhause und in Angst mit meinen Gedanken… Die von mir erwähnte „Instabilität“ sehe ich heute als mangelnden Glauben/Vertrauen an mich selbst. Mehr nicht. Darum war es für mich sehr wichtig, herauszufinden, was ich in meinem Leben machen möchte/erreichen möchte und welche Möglichkeiten es konkret für mich gibt, etwas zu verändern, dass ich mein Ziel von einem normalen, erfüllten Leben irgendwann doch erreichen kann. Ich wollte reisen und wieder ein „normaler“ Mensch sein, ausgelassen die Zeit mit Freunden genießen und Sport machen, ohne umzukippen. Ich habe mich dann sehr oft überwunden…habe mich zB in ein Fitnessstudio geschleppt, wo es die tollste Tanzstunden gab und intuitiv wusste ich ja nach wie vor was mir Spaß macht. Dort war es die ersten Male brutal – schlimmste Zwangsgedanken auf engstem Raum und Panikattacke…immer wieder, aber jedesmal bin ich wieder hin und habe gewusst: „Okay, letztes Mal hab ich’s auch überstanden und bin ja doch nicht gestorben, verrückt geworden, etc., also versuche ich es wieder.“

Mut zahlt sich aus

So habe ich wieder Vertrauen 1. in meine Umgebung aufbauen können und 2. in mich selbst. Immer wieder erkannt, dass diese Ängst und Gedanken die sich in meinem Kopf abspielen, nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben, dass egal wie sehr ich glaube zu sterben (bei einer Panikattacke) oder weggedröhnt zu sein von der DPDR, ich ja doch jedesmal die Sache erfolgreich abgeschlossen habe (Tanzen, Tennis, Meditation, Uni-Vorlesung,…ich habe sogar Klausuren komplett weggedröhnt geschrieben und sie trotzdem erfolgreich bestanden – da sieht man mal, wie sehr wir ebenso unser Unterbewusstsein sind, denn bewusst dachte ich die ganze Zeit nur: ich sterbe, ich bekomme keine Luft, Hilfe!). Ich habe viele geführte Meditationen angehört…versucht mir positive Sätze zu verinnerlichen – immer und immer wieder, habe mir Sticker auf Türen geklebt auf den stand „Es ist alles in Ordnung. Du machst das toll. Yes, you wrote that s***, usw.) Ich habe irgendwann geschafft loszulassen und darauf zu vertrauen, dass so viele Menschen da draußen recht haben und alles wieder gut wird und ich und meine Gedanken nicht der Mittelpunkt des Universums sind – dass ich nicht immer alles verstehen muss oder alles stimmt was ich denke. Dass Rückfälle komplett OK und sogar gut sind – um mehr zu lernen und Stärker und Mutiger zu werden. Nach und nach gewann ich mein Selbstbewusstsein zurück und habe mich zB auch mal kurz vor den Spiegel getraut (die Vorstellung war immer ganz schlimm für mich und ich mied Spiegel über Monate) – und auch wenn ihr wohl mit einer anderen Antwort gerechnet habt…ES WAR DIE ERSTEN MALE SCHRECKLICH (laut Gedanken in meinem Kopf) – ein großer Schritt zurück … aber nach jedem Rückschritt, kam wieder ein Fortschritt und ich durfte mich und meine Gedanken noch besser kennenlernen. Ich wusste irgendwann, dass es eben meine Gedanken sind, denn wenn ich abgelenkt war und am Spiegel vorbei bin, dann ging’s ja doch.

An Stärke gewinnen

Stärke gewinnt man durch Schwierigkeiten im Leben und wenn man diese überwindet. Eine wunderbare Möglichkeit des Universums. Weißt du, dass ich lange nach meiner Heilung immer noch dachte…wie schwach ich sein muss, dass mir all diese Dinge passiert sind (DPDR, Panikattacken, Hashimoto,…) Erst letztes Jahr durfte ich begreifen, wie sehr sie mich reifen haben lassen, mir als Mensch gezeigt haben, wer ich bin, wie viel ich mit den richtigen Gedanken erreichen kann (LOA, EFT, generell ein Positives Mindset), was ich möchte und wie sehr ich meine Ängste überwinden konnte. Ich weiß mittlerweile, dass wenn doch mal Unruhe in mir entsteht, mein Körper und Geist mir zeigen will, dass alles wiedermal etwas viel war…manchmal mach ich dann trotzdem weiter, übergehe meine Intuition und mein Körperbewusstsein, aber oft besinne ich mich dann und gehe einen Schritt zurück. Ich versuche zu meditieren und mir bewusst Zeit für mich zu nehmen. Ich sage öfters NEIN zu Dingen. Ich versuche nicht das zu tun, was die Gesellschaft verlangt, sondern was ICH brauche. Dann spüre ich mich auch ganz klar und erschrecke mich nicht plötzlich und frage mich wo ICH denn die ganze Zeit war…es braucht viel Übung und auch Mut immer wieder neu Dinge zu überwinden, aber es zahlt sich aus und zeigt von Stärke.

Ich bin mir sicher, dass dieses Potential in jedem von uns steckt. Ich glaube DPDR passiert oft bei sehr empathischen, kreativen Menschen, die sehr reflektiert sind…Das alleine zeigt doch, wie genial viel Potential eigentlich hinter unseren Persönlichkeiten steckt. Ich wünsche mir, dass du es als Chance siehst, dich transformierst, dir die Hilfe holst, die du brauchst um das Leben zu Leben, das du dir tief in dir wünscht. Weit weg von Ängsten, Zweifeln und dem „Was wäre wenn?“ 🙂 –  Ich lebe mittlerweile ohne meine Diagnosen von damals. Keine davon hat mehr Relevanz in meinem Leben…und selbst wenn neue Diagnosen kommen sollten, dann weiß ich, dass mir mein Geist und Körper viel mehr etwas mitteilen wollen…und so horche ich das nächste Mal wohl lieber aufmerksam, als mich von Diagnosen und Zuständen definieren und in die Enge treiben zu lassen.

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